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Die Dortmunder TU wird 50

Auf einem Feld außerhalb der Stadt wuchs der Campus aus kleinsten Anfängen. Heute studieren hier 35.000 junge Leute.

Die Preußen sind schuld. Vor 110 Jahren – weit vor Bochum – wäre Dortmund um ein Haar Sitz der ersten Universität im Ruhrgebiet geworden. Denn 1908 beantragte der Magistrat der Stadt bei der preußischen Staatsregierung die Gründung einer „Technischen Hochschule“. Doch das Ansinnen aus der Provinz wurde im kaiserlichen Berlin brüsk zurückgewiesen. Wissenschaft im Ruhrpott? Bessere Bildung für Arbeiterkinder? Wo kommen wir da hin, dachte sich die preußische Obrigkeit. Vorrang, so hieß es damals in der Ablehnungsschrift, genieße der Aus- und Aufbau anderer Hochschulen im Land.

Sechzig Jahre lang musste die ehemalige Reichs- und Hansestadt warten, bis sie dann doch ihre Universität bekam. Am 16. Dezember 1968 war es soweit. Bundespräsident Heinrich Lübke (CDU) und NRW-Ministerpräsident Heinz Kühn (SPD) eröffneten den in nur zwei Jahren auf einem Acker hochgezogenen ersten Campus-Neubau im Stadtteil Eichlinghofen.

Mit Chemie, Mathe und Raumplanung ging's los

Die ersten Vorlesungen begannen im April 1969 in der Abteilung Chemie. Überhaupt gab es zum Start nur drei Fachbereiche: Chemie, Mathematik und Raumplanung. Disziplinen, die nach den Worten des Chemikers und Gründungsrektors Martin Schmeißer an anderen Hochschulen des Landes damals nicht optimal vertreten gewesen seien. Bis 1972 folgten weitere technische und naturwissenschaftliche Fächer: Chemietechnik, Physik, Maschinenbau, Informatik, Statistik und Elektrotechnik. Erst 1973 kamen mit den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften die ersten gesellschaftswissenschaftlichen Fakultäten hinzu.

Einen Quantensprung vollzog man 1980. Die bis dahin eigenständige traditionsreiche Pädagogische Hochschule der Stadt wurde integriert und zog mit auf den Campus. Von „Elefantenhochzeit“ sprach man damals. Die renommierte Lehrerausbildung gehört seitdem zu den Aushängeschildern der Universität. Nach langen internen Debatten entschied sich der Hochschulsenat 2007 dennoch für das T vor dem U. Heute zählt die Uni insgesamt 16 Fakultäten. Fast 35.000 Studenten werden derzeit von rund 300 Professoren und nahezu 2000 wissenschaftlichen Mitarbeitern betreut. Insgesamt gibt es rund 80 Studiengänge.

Zuerst bekam Bochum den Zuschlag für eine Revier-Uni

Der Dortmunder Gründung ging übrigens einiger ruhrgebietstypischer Krach Marke Kirchturmdenken voraus. Im Bestreben, den Strukturwandel im Kohlerevier mit dem Aufbau einer eigenen Forschungslandschaft abzufedern, plante das Land NRW die Gründung einer repräsentativen Revier-Uni. Bochum und Dortmund kamen als Standorte in Frage. Das Rennen machten die Bochumer. 1961 erhielt die Nachbarstadt den Zuschlag für die Ruhr-Universität.

Dortmund reagierte empört, protestierte heftig und pochte auf Kompensation. Das blieb nicht ohne Wirkung: Nur ein Jahr später fiel im Land der Grundsatzbeschluss für den Bau einer Technischen Hochschule in der damals noch von der Montanindustrie geprägten Stadt. Die Preußen gab es da schon lange nicht mehr.

Quelle: Westfälische Rundschau vom 14.12.2018, Seite 4