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Silicon Economy bringt erstes Start-up hervor

Die erste Unter­nehmens­grün­dung im Umfeld der Silicon Economy, einem Projekt, an dem auch die TU Dort­mund beteiligt ist, steht in den Startlöchern. Bereits wenige Monate nach dem Auftakt des vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geförderten Großforschungsprojekts bringt ein Gründerteam aus dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML eine App-gesteuerte Plattform für ein cloudbasiertes La­dungs­trä­ger­ma­nage­ment auf Basis von Künstlicher In­tel­li­genz auf den Markt. Dabei kommen erstmals Open-Source-Komponenten der Silicon Economy zum Ein­satz.

Die Plattform haben die Wis­sen­schaft­ler im Rahmen des ge­mein­samen Enterprise Labs mit der European Pallet Association (EPAL) am Fraunhofer IML ent­wi­ckelt. Bei der nun hinzugekommenen Open-Source-Komponente handelt es sich um den sogenannten „e-Palettenschein“ aus einem Entwicklungsprojekt zur Silicon Economy.

„Die Verwendung der Open-Source-Komponente bringt sowohl unser Un­ter­neh­men als auch unsere Plattform ein großes Stück nach vorne. Die Integration des di­gi­ta­len Palettenscheins hat uns monatelange Entwicklungszeit gespart und liefert gleichzeitig die Blaupause zur Industrialisierung von Open-Source-Software aus der Silicon Economy“, er­klärt Philipp Wrycza, im Team der Ausgründer verantwortlich für Strategie und Vertrieb.

Das Marktpotenzial für eine solche Lösung ist groß. Alleine in Europa befinden sich ver­schie­de­nen Erhebungen zufolge rund 600 Millionen Europaletten, 135 Millionen Automotive-Kleinladungsträger (KLT), 600 Millionen Steigen für Obst und Gemüse sowie 700 Millionen Fleisch- und Brotkisten im Umlauf. Deren Nachverfolgung, Verbuchung und Bestandsverwaltung erfolgt überwiegend händisch oder über spezielle technische Systeme, die aufwändig in die jeweilige IT-Landschaft eines Unternehmens integriert wer­den müssen. Die von den Gründern entwickelte App soll nun Abhilfe schaffen: Sie soll den Tauschprozess digital erfassen, beiden Parteien zugänglich machen und die dazugehörigen Konten vollautomatisch belasten – und das rechtssicher.

Von Vorteil ist das vor allem für kleine und mittelständische Un­ter­neh­men mit bis zu 250 Mitarbeitenden, die auf diese Weise alle möglichen Ladungsträger identifizieren, tracken, tauschen und managen können. So erfassen bei­spiels­weise KI-Algorithmen in der Bilderkennung Ladungsträger-IDs und ermitteln auf Basis eines einzelnen Fotos Typ und Anzahl eines Ladungsträgers. Insbesondere der „e-Palettenschein“ steht beispielhaft für die unternehmensübergreifende Vernetzung und die Integration unterschiedlicher Partner: Gleichen zum Beispiel zwei Un­ter­neh­men ih­re Palettenbestände über die App ab, prüft das System zu­künf­tig automatisch, ob durch die Einbeziehung anderer App-Nutzer möglicherweise vorteilhaftere Tauschprozesse mög­lich sind, um etwa Leerfahrten zu vermeiden.

„Die vollständige Di­gi­ta­li­sie­rung von Prozess- und Lieferketten mit­hil­fe Künstlicher In­tel­li­genz wird in der Logistik ein neues Zeitalter einläuten“, betont Prof. Michael ten Hompel, Fa­kul­tät Maschinen­bau der TU Dort­mund und ge­schäfts­füh­ren­der Institutsleiter des Fraunhofer IML. Er ergänzt: „Diese Ausgründung ist ein wichtiger Schritt, der zeigt, wie schnell innerhalb der Silicon Economy und auf Basis von Open Source neue Geschäftsmodelle umgesetzt wer­den können.“

Forschungsprojekt wird vom BMVI ge­för­dert

Mit dem Großforschungsprojekt Silicon Economy will das Fraunhofer IML als Gegenentwurf zum Silicon Valley einer dezentralen, föderalen und offenen Plattformökonomie in Deutsch­land und Europa zum Durchbruch verhelfen. Dazu arbeiten die beteiligten Wis­sen­schaft­ler­in­nen und Wis­sen­schaft­ler in agilen Ent­wick­lungs­pro­jek­ten an konkreten logistischen Problemlösungen, deren Basiskomponenten sie in Form von Hard- und Software über eine Open-Source-Plattform zur freien Nutzung zur Ver­fü­gung stellen. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) fördert das Projekt über einen Zeitraum von drei Jahren mit über 25 Millionen Euro. Projektpartner sind neben dem Fraunhofer IML auch das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST und die Technische Uni­ver­si­tät Dort­mund.

Die Ausgründung der Wis­sen­schaft­ler Philipp Wrycza, Michael Koscharnyj, Patrik Elfert und Jan Möller wird durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirtschaft und Energie mit einem EXIST-Gründerstipendium un­ter­stützt, gewährt zum 1. März 2021. Dann wird auch der Name des neuen Start-ups bekannt gegeben.